1. Feminismus ist liberal, Liberalismus ist feministisch.

Feminismus ist ein breites Feld mit vielen verschiedenen Phasen und Strömungen. Grundsätzlich teilt er mit dem Liberalismus aber dieselben Werte: Gleichheit und Freiheit von Individuen und die Ablehnung von Hierarchien. Deshalb dürfen feministische Liberale Freiheitsrechte von Frauen nicht dem linken Spektrum überlassen. Ein gemeinsamer Nenner aller feministischen Strömungen ist die Überzeugung, dass Frauen von gesellschaftlicher Unterdrückung und Einschränkungen in ihrer Lebensgestaltung befreit sein sollen.

Somit setzt sich Feminismus für die positive und negative Freiheit der Frau ein. Gleichzeitig richtet der moderne (liberale) Feminismus auch ein Augenmerk darauf, grundsätzliche Geschlechtergerechtigkeit herzustellen und allen Geschlechtern somit mündige und freie Entscheidungen zu ermöglichen.

 

 2. Schluss mit dem Feindbild Feminismus

Nicht repräsentativ für den Feminismus sind die radikaleren, spezifischeren Strömungen des Feminismus, welche die Geschlechter mit neuen Freiheitseinschränkungen einengen oder Männlichkeit grundsätzlich negativ betrachten. Weder haben linke Strömungen die alleinige Deutungshoheit über den Begriff Feminismus, noch ist Feminismus ein verbrannter Kampfbegriff.

Antifeministische Aussagen passen nicht in eine liberale Organisation, da diese sich immer auch gegen die positiven Gleichberechtigungsbestrebungen des Feminismus richten. Statt ein Feindbild des Feminismus zu zeichnen und zu pflegen, sind Liberale in der Pflicht, eine positive Strömung des Feminismus zu prägen – einen modernen, liberalen Feminismus, der die Kernziele des Feminismus und damit auch des Liberalismus weiter in die heutige Gesellschaft trägt.

 

 3. Ein liberaler Feminismus will einschließen, nicht ausgrenzen

Ein liberaler Feminismus will Frauen nicht zu Ungunsten der Männer emanzipieren, sondern seinen Teil zur Emanzipation und Gleichberechtigung aller Individuen beitragen. Langfristiges Ziel ist es, Diskriminierungen und überholte Rollenzuschreibungen für alle Geschlechter aufzuheben und so die freie Entfaltung jedes Menschen zu ermöglichen. Emanzipation – die Befreiung aus der Abhängigkeit und Unmündigkeit – ist immer eine Befreiung Einzelner aus den Normen und Bevormundungen von gesellschaftlichen Gruppen. Die Emanzipation von Frauen erleichtert dabei die Emanzipation der Männer – und umgekehrt. Denn verschiedene Männer- und Frauenbilder, sowie vom binären Geschlecht abweichende Geschlechter haben ihren Platz in einer liberalen Gesellschaft und tragen zur Verwirklichung eines liberalen Feminismus bei.

Der Handlungsraum Einzelner darf in einem liberalen Gesellschaftsentwurf nur eingeschränkt werden, wenn dies den Freiheitsraum anderer ermöglicht und bewahrt. Genauso darf ein liberaler Feminismus Individuen und Gruppen nur soweit in ihrem Handeln einschränken, wie dies Benachteiligungen von Frauen abbaut und ihre gleichberechtigte Freiheit bewahrt.

 

 4. Gemeinsam verbessern statt gegeneinander kämpfen

Eine Welt völlig frei von Geschlechterstereotypen ist ein Idealzustand, der angestrebt, aber wohl nie vollkommen erreicht werden kann. Im Bewusstsein, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft durch Stereotype geprägt sind, strebt ein liberaler Feminismus daher eine versöhnliche, auf das einzelne Individuum bezogene Grundhaltung an. Ziel des liberalen Feminismus ist es nicht, andersdenkende Menschen zu bekämpfen. Stattdessen soll er aufklären und diejenigen Denkmuster abbauen, die vor allem zur Diskriminierung aufgrund von Geschlechterzughörigkeit führen.

 

 5. Feminismus betrifft auch immer Männer

Liberaler Feminismus will Chancengerechtigkeit zur Selbstverwirklichung schaffen - auch für Männer. Nach wie vor gibt es feste Rollenzuschreibungen. Weichen Menschen davon ab oder weisen diese Zuschreibungen zurück, wird dies in vielen Bereichen der Gesellschaft kritisch bis negativ bewertet. Durch Aufbrechen dieser althergebrachten Muster und durch den Einsatz für selbstbestimmte Entscheidungen in allen Lebenslagen kann sich jeder Mensch, unabhängig seines Geschlechts frei entfalten, und es entsteht echte Wahlfreiheit. Dies kann aber nur gelingen, wenn Männer und Frauen sich gemeinsam für einen liberalen Feminismus einsetzen.

 Denn: Frauenpolitik ist Männerpolitik ist Gesellschaftspolitik ist Generationenpolitik.

 

 6. Liberalismus verpflichtet. Feminismus auch.

Der liberale Feminismus verpflichtet sich, zivilgesellschaftlich ein Bewusstsein für die mangelnde Gleichstellung und Gleichbehandlung der Geschlechter zu schaffen. Dabei lebt der liberale Feminismus von der freiwilligen Selbstverpflichtung zur Zivilcourage, Selbsterkenntnis und Eigenverantwortung einzelner Individuen.

 

 7. Feministisch ist Ökonomisch.

Frauen, die in vorwiegend männlich geprägten Berufen arbeiten möchten, ob mit oder ohne Kind, sind zu unterstützen. Es muss schon in der KiTa, im Kindergarten und in der Schule begonnen werden, überholte Rollenbilder abzubauen. Es geht darum, Mädchen wie auch Jungen eine freie Berufswahl zu ermöglichen, die ihren Neigungen und Interessen entspricht. Ob Ingenieur.in, Krankenpfleger.in, Kindergärtner.in oder Richter.in - jede und jeder soll sich frei entfalten und das Leben gestalten können. Dazu gehört auch die freie Entscheidung, ob und wie lange er oder sie die Berufslaufbahn zur Kindererziehung unterbricht oder die Arbeitszeit dafür reduziert. Gerade in Zeiten steigenden Fachkräftemangels kann es sich unsere Gesellschaft nicht leisten, auf einen großen Teil der gut ausgebildeten Arbeitskräfte zu verzichten, bloß weil fehlende Betreuungsinfrastruktur oder Jahrhunderte alte Rollenbilder dem immer noch entgegen stehen. Dadurch erhöht sich neben der Gleichberechtigung aller Geschlechter insgesamt auch der wirtschaftliche Selbstverwertungsfaktor von Frauen.

Ein liberaler Feminismus stellt sich nicht gegen marktwirtschaftliche Prinzipien, sondern will Wettbewerbshemmnisse auflösen und Chancen schaffen. Daher ist dieser auch aus ökonomischer Sicht zu begrüßen.

 

8. Liberale Familienpolitik als gesellschaftliche Verantwortung

Der liberale Feminismus kann nur verwirklicht werden, wenn "Familienpolitik" mehr ist als Politik für Mütter und Kinder. Familie ist für Liberale der Ort, an dem Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft füreinander Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen. Auch spielt die Prägung durch das Jahrhunderte alte Bild der westlichen Kernfamilie die Hauptrolle, auch hier sollte die Definition von Form und Funktion einer Familie überprüft und neu definiert werden. Der Staat sollte verschiedenen Formen von Gemeinschaften ermöglichen, ihr Lebensmodell zu leben. Natürlich soll der Staat nicht alles regeln, aber er kann Strukturen und Voraussetzungen für das Wahrnehmen von gemeinsamen Rechten und Pflichten schaffen, bei denen es vor allem um die Wertschätzung von Fürsorge- und Reproduktionstätigkeiten der Gemeinschaftsmitglieder geht. Es gilt den Individuen zu ermöglichen, ihr Leben gemeinsam zu gestalten und füreinander zu sorgen.

 

9. Freiheit = Individualismus + Vielfalt

Der liberale Feminismus stellt Forderungen, die zur Verwirklichung einer Gesellschaft mit freien und gleichen Individuen beitragen. Ziel ist eine Gesellschaft, in der Feminismus, Anti-Rassismus, die LGBTI*-Bewegung und alle weiteren Bewegungen gegen überholte hierarchische Strukturen überflüssig werden. Gesellschaftliche Einschränkungen, die sich allein darauf beziehen, welches Geschlecht, welche Herkunft, sexuelle Orientierung oder sonstige Merkmale ein Individuum hat, haben in einer liberalen Gesellschaft keinen Platz!

 

 9,5.

„Frauen, die nichts fordern werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.“

 Simone de Beauvoir

 

 

 

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